W a s   i s t   C O P D 

 

VON PROF. ERICH W. RUSSI*

Oft wird COPD auch Raucherlunge genannt, weil in den meisten Fällen Rauchen die wichtigste Ursache ist. Die unheilbare Krankheit ist altbekannt: Der entzündliche Prozess in der Lunge engt langsam fortschreitend die Luftwege ein und zerstört die Lungenbläschen (Alveolen).

COPD kommt viel häufiger vor, als man früher gemeint hat. Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass im Jahr 2020 weltweit die COPD nach Herz-Kreislauf-Krankheiten und Hirnschlag die dritthäufigste Todesursache sein wird. In der Schweiz wird bei fast 10 Prozent der Bevölkerung eine COPD diagnostiziert - Jeder vierte über 45-jährige Raucher leidet daran! Viele Raucher merken aber lange Zeit nichts von der schleichenden, heimtückischen Krankheit, da Beschwerden häufig erst in einem fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung auftreten. Raucher sind zudem daran gewöhnt, bereits am Morgen nach dem Aufstehen zu husten und den Husten als Raucherhusten zu verharmlosen.


 

Weltweit häufigste Todesursachen:

1.

Ischämische Herzerkrankung

7'181'000

2.

Zerebrovaskuläre Erkrankung

5'454'000

3.

Infekte der unteren Atemwege

3'871'000

4.

HIV/AIDS

2'866'000

5.

COPD

2'672'000

6.

Perinatale Komplikationen

2'504'000

7.

Diarrhoe

2'001'000

8.

Tuberkulose

1'644'000

9.

Lungenkrebs

1'213'000

10.

Verkehrsunfälle

1'194'000


Die ersten Symptome der COPD scheinen wenig spektakulär, werden heruntergespielt oder verdrängt: Die chronische Entzündung der grossen Atemwege führt zu Husten und Auswurf (chronische Bronchitis, chronisch). Greift die Entzündung auf die kleinen Atemwege und die Lungenbläschen über, führt sie zu einer Beeinträchtigung der Lungenfunktion, die Atemnot bei Anstrengung verursacht. Sind die Lungenbläschen zerstört - was bei fortgeschrittenen Formen der COPD immer der Fall ist - spricht man von einem Lungenemphysem, das eine Überblähung der Lunge zur Folge hat. Das Lungenemphysem geht häufig mit einer Störung der Sauerstoffaufnahme einher.

Immer stärkere Einschränkungen im Alltag

Es liegt in der Natur der COPD, dass sie fortschreitet und zu einer immer stärkeren Beeinträchtigung der Atmung und körperlichen Belastbarkeit führt. Zuerst haben die Betroffenen etwas mehr Mühe bei Wanderungen, beim schnellen Geradeausgehen und beim Treppensteigen. Sie führen dies auf das normale Altern zurück.

In fortgeschrittenen Fällen sind dann aber bereits alltägliche Verrichtungen wie Duschen, sich Ankleiden etc. mit Atemnot verbunden. Typisch für die Erkrankung sind plötzliche Verschlimmerungen der Beschwerden: eine Zunahme des Hustens, mehr oder verfärbter Auswurf und allenfalls eine Zunahme der Atemnot. Man nennt dies Exazerbation. Solche Episoden treten gehäuft in den Wintermonaten auf und beeinträchtigen zusätzlich die Lebensqualität der Betroffenen. Ursachen sind Infekte, ausgelöst durch Viren oder Bakterien.

Ähnliche Beschwerden wie bei der COPD treten beim Asthma bronchiale auf. Es kommt vor, dass eine Raucherin oder ein Raucher oft hustet und kurzatmig ist, jedoch keine COPD sondern Asthma hat. COPD und Asthma sind aber zwei völlig unterschiedliche Erkrankungen. Viele Asthmatiker sind allergisch und leiden auch unter Heuschnupfen. Atemnot stellt sich typischerweise anfallsartig ein, nicht selten in der Nacht. Zur Unterscheidung zwischen Asthma und COPD ist eine gründliche medizinische Untersuchung notwendig. Wichtig ist, dass bei Rauchern als Ursache von Lungenbeschwerden immer auch an einen Lungenkrebs gedacht wird.

Die COPD hat einen heimtückischen Verlauf, sie entwickelt sich schleichend und bleibt lange Zeit unbemerkt. Hinzu kommt, dass die Betroffenen häufig die Beschwerden möglichst lange ignorieren: In der Regel suchen die Patienten erst nach vielen Jahren medizinische Hilfe, typischerweise in einem Alter zwischen 40 und 45.

Der COPD geht eine «stumme» Phase voraus. Eine Früherkennung durch den Patienten selbst ist deshalb häufig nicht möglich. Die Messung der Lungenfunktion ist letztendlich der Schlüssel zur Diagnose.

Das Risiko für das Vorliegen einer COPD lässt sich zunächst durch die Befragung des Patienten abschätzen oder mittels eines einfachen Risiko-Checks eruieren. Die Diagnose wird durch eine Spirometrie (Lungenfunktionstest) gestellt. Dabei wird die Luftmenge gemessen, die in einer Sekunde schnell und kraftvoll ausgeatmet werden kann (Fev1). Dieses so genannte Erstsekundenvolumen entspricht dem «Hubraum» des Motors. Jede gesunde Person verliert nach Erreichen des Erwachsenenalters durchschnittlich 30 Milliliter Erstsekundenvolumen pro Jahr. Bei Rauchern, die eine COPD entwickeln, ist dieser Verlust viel höher. Ein Beispiel: Ein gesunder 20-jähriger Mann hat ein Erstsekundenvolumen von 4,2 Litern. Während der normalen Alterung der Lunge nimmt das Erstsekundenvolumen auf 2,5 Liter beim 80-Jährigen ab. Bei Rauchern, die schon früh eine COPD entwickeln, kann dieses Volumen schon zwischen 50 und 60 Jahren unter 1,5 Liter betragen – ein Wert, der zu einer deutlichen Beeinträchtigung im Alltag führt!
 

Mit Rauchen aufhören - oder besser gar nicht erst beginnen

Die COPD ist nicht heilbar. Deshalb sind Vorbeugung und Früherkennung von grosser Bedeutung.

Alle Massnahmen, die die Menschen motivieren, nicht mit dem Rauchen anzufangen, sind geeignet, die Entwicklung einer COPD zu verhindern.

Besteht bereits eine COPD, kann nur durch den völligen Verzicht auf das Rauchen – unabhängig vom Schweregrad der Erkrankung – eine weitere Abnahme der Lungenfunktion gebremst werden.

Zur Behandlung der Beschwerden werden Medikamente eingesetzt, die die Atemwege erweitern. Diese Behandlung wirkt sich günstig auf die körperliche Belastbarkeit und damit die Lebensqualität aus. Bei Patienten, bei denen die Lungenfunktion auf die Hälfte des Sollwerts abgefallen ist und bei denen es häufig - mehrmals jährlich - zur Verschlimmerung der Beschwerden kommt, werden zudem entzündungshemmende Substanzen in Form von lokal wirksamen Kortisonpräparaten eingesetzt, die inhaliert werden müssen.

Patienten mit fortgeschrittener COPD sind körperlich oft untrainiert. Sie vermeiden zwangsläufig körperliche Anstrengung (etwa einen Spaziergang mit der Familie) weil sie in Atemnot geraten. Dieses Verhalten führt zu einem schlechten Trainingszustand, was bei immer geringeren Anstrengungen zu zunehmend stärkerer Atemnot führt. Regelmässiges Ausdauertraining verhindert oder vermindert den Abbau der Leistungsfähigkeit entscheidend.

Durch eine so genannte Rehabilitation, welche auch von kantonalen Lungenligen angeboten wird, lernt der Patient seine Krankheit kennen, mit ihr umzugehen und sich unter Anleitung regelmässig körperlich zu belasten. In gewissen Fällen ist eine Rehabilitation in einer geeigneten Fachklinik sinnvoll. Eine eiweissreiche und ausgeglichene Ernährung mit Früchten und Gemüse ist zudem ratsam.

Bei fortgeschrittener COPD mit dauerndem Sauerstoffmangel brauchen die Erkrankten eine Sauerstoff-Heimtherapie. Dabei erhält der Patient Sauerstoff über eine Nasenbrille oder allenfalls über einen dünnen Schlauch direkt in die Luftröhre. Dies während mindestens 16 Stunden pro Tag, am besten ohne Unterbrechung. Die heute zur Verfügung stehenden technischen Mittel erlauben es den Patienten, sich über viele Stunden mit Sauerstoff versorgt ausser Haus zu bewegen.

Für Patienten mit schwerem Lungenemphysem kommt ein chirurgischer Eingriff in Frage, bei dem das am stärksten veränderte Lungengewebe durch eine Lungenvolumen- Reduktion entfernt wird. Bei Patienten mit sehr schwerer COPD kann in ausgewählten, seltenen Fällen eine Lungentransplantation notwendig sein.


* Prof. Russi ist Direktor der
Klinik für Pneumologie am Universitätsspital Zürich

 

 



 

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